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TL;DR: SLAs dokumentieren nur Symptome, während Wertesysteme in Familienunternehmen die eigentlichen Ursachen adressieren. Vertrauen durch persönlichen Bezug schlägt formale Verträge, weil es Flexibilität ermöglicht, sich selbst reguliert und die nicht-messbaren Faktoren einer Geschäftsbeziehung stärkt.

Warum Wertesysteme SLAs überlegen sind

  • Wertesysteme regulieren sich selbst – sie passen sich ohne Neuverhandlung an unvorhergesehene Situationen an

  • SLAs messen nur Symptome – nicht die Ursachen von Problemen oder die Qualität der Beziehung

  • Vertrauen entsteht durch Verletzlichkeit – beidseitige Kulanz über Zeit statt vertraglicher Absicherung

  • Persönlicher Bezug erhöht Engagement – eine Erhöhung der Kundenbindung um 5% kann zu 25-95% Umsatzsteigerung führen

  • Flexibilität schlägt Starrheit – Pauschalen mit Orientierung statt harte Grenzen ermöglichen Kulanzlösungen

Warum SLAs eine antagonistische Dynamik schaffen

Ein SLA dokumentiert Symptome. Er legt fest:

  • Wie schnell ich auf ein Ticket reagiere

  • Welche Verfügbarkeit ich garantiere

  • Was passiert, wenn ich diese Zahlen nicht erreiche

Was er nicht dokumentiert:

  • Warum ein Problem überhaupt entsteht

  • Wie ich denke, wenn ich eine Lösung entwickle

  • Ob ich nachts wach liege, weil ein Kundensystem instabil läuft

SLAs sind notorisch schwierig zu messen, darüber zu berichten und einzuhalten. Sie können auch schwierig zu konfigurieren und zu ändern sein.

Das eigentliche Problem liegt tiefer:

Ein SLA schafft eine antagonistische Dynamik. Der Kunde kauft eine Garantie. Ich verkaufe eine Absicherung. Wenn ich die Zahlen nicht erreiche, hat der Kunde das Recht auf Rückerstattung oder Kündigung.

Das klingt nach Fairness. Es ist aber das Gegenteil von Vertrauen, weil es die Beziehung auf messbare Leistungsindikatoren reduziert.

Kernpunkt: SLAs formalisieren Kontrolle, zerstören aber dabei systematisch das Vertrauen, das sie eigentlich schützen sollen.

Was in Verträgen nicht stehen kann: Das beidseitige Kulanz-System

Ich arbeite mit monatlichen Pauschalen. Keine Stundenabrechnungen. Keine SLA-Strafen. Keine Eskalationsstufen.

Das verwirrt viele. Sie fragen: „Aber wie schützt du dich davor, ausgenutzt zu werden?“

Die Antwort: Ich entscheide, was ich zulasse und was nicht.

Das ist kein Willkürakt. Es ist ein beidseitiges Bewertungssystem, das auf Kulanz basiert.

Es gibt Monate, da gebe ich als Dienstleister mehr. Es gibt Monate, da gibt der Kunde mehr. Das ist normal und für mich eine faire Situation. Solange es auf Augenhöhe bleibt.

Konkretes Beispiel: Vertrauen durch Verletzlichkeit

Wenn ich aus Krankheit heraus mal nicht die übliche Leistung erbringen kann, dann ist das Kulanz durch den Kunden mir gegenüber.

In einem SLA-Modell würde Krankheit zu Vertragsstrafen oder Eskalation führen. Hier entsteht Vertrauen durch Verletzlichkeit.

Das kann man nicht in einen Vertrag schreiben, weil es auf gegenseitiger Rücksichtnahme basiert, nicht auf messbaren KPIs.

Kernpunkt: Beidseitige Kulanz über Zeit schafft ein natürliches Gleichgewicht, das sich selbst reguliert – statt durch vertragliche Grenzen künstlich erzwungen zu werden.

Warum Wertesysteme strukturell überlegen sind

35 Prozent bezeichnen Familienunternehmen als Wunsch-Arbeitgeber, vor der öffentlichen Hand und vor Konzernen. Der Grund: Sicherheit, ein stabiles Wertesystem und langfristige Perspektive überzeugen mehr als attraktive Gehälter.

Wie Wertesysteme funktionieren

Wertesysteme regulieren sich selbst. Sie passen sich an, ohne neu verhandelt werden zu müssen. Sie funktionieren in Situationen, die niemand vorhersehen konnte.

SLAs dokumentieren nur das, was messbar ist. Die wichtigsten Dinge in einer Geschäftsbeziehung sind nicht messbar:

  • Wie schnell verstehe ich dein Geschäftsmodell?

  • Wie gut antizipiere ich Probleme, bevor sie entstehen?

  • Wie sehr liegt mir dein Erfolg am Herzen?

  • Wie flexibel reagiere ich auf unvorhergesehene Situationen?

Diese Dinge entstehen nicht durch Verträge. Sie entstehen durch persönlichen Bezug.

Kernpunkt: Wertesysteme sind strukturell überlegen, weil sie Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ermöglichen, ohne dass Verträge neu verhandelt werden müssen.

Was ist der Trust Gap und warum vergrößern SLAs ihn?

Die harte Realität: 95 Prozent der Unternehmen im deutschsprachigen Raum sagen, dass sie das Vertrauen ihrer Mitarbeitenden brauchen, doch lediglich 49 Prozent sind sich dessen sicher.

Bei Konsumenten ist die Diskrepanz noch größer: 96 Prozent wissen, wie wichtig Vertrauen ist, aber nur 54 Prozent glauben, es zu besitzen.

Das ist der Trust Gap: Die Kluft zwischen dem, was wir denken zu liefern, und dem, was ankommt.

Warum SLAs den Trust Gap vergrößern

SLAs geben eine falsche Sicherheit:

  • Der Kunde denkt: „Ich habe einen Vertrag, also bin ich geschützt.“

  • Der Anbieter denkt: „Ich erfülle die Zahlen, also bin ich gut.“

Beide liegen falsch, weil SLAs Zahlen liefern, aber keine echte Verbindung schaffen.

Kernpunkt: SLAs reduzieren Vertrauen auf messbare Metriken und vergrößern dadurch die Kluft zwischen gefühlter und tatsächlicher Sicherheit.

Wie ich Kunden nach Wertesystem-Kompatibilität filtere

Ich nehme grundsätzlich keine SLA-fixierten Kunden an. Der persönliche Bezug ist mir enorm wichtig.

Die drei Signale für Wertesystem-Kompatibilität

1. Das „Du“
Nicht als Formalität, sondern als Haltung. Wer sofort Distanz aufbaut, sucht keine Beziehung.

2. Offenheit für Beratung
Manche Kunden wissen alles „besser“ und sind beratungsresistent. Du kaufst keinen Experten, um ihm dann zu sagen, wie es richtig geht.

3. Verständnis für Domänen
Ich mische mich nicht in das Geschäft des Kunden ein. Kein Kunde kennt sich besser in IT aus als wir. Sonst wäre er ja nicht bei uns.

Das ist eine klare Grenze. Ich bleibe in meiner Domäne, der Kunde in seiner.

Kernpunkt: Die Filterung erfolgt nicht durch Fragen, sondern durch Beobachtung der Haltung – wer Distanz, Beratungsresistenz oder Grenzüberschreitungen zeigt, passt nicht ins System.

Wie funktioniert Flexibilität ohne SLA-Grenzen?

Geschäftsanforderungen und Technologien ändern sich ständig. SLAs müssen regelmäßig angepasst werden, um diese Veränderungen zu reflektieren.

Genau diese notwendige Anpassungsfähigkeit ist in starren SLA-Strukturen schwer umsetzbar.

Messbarkeit als Orientierung, nicht als Grenze

Mein Pauschalen-Modell gibt mir Spielraum. Ich dokumentiere Zeiten und habe einen fiktiven Stundensatz im Hintergrund. Aber ich nutze diese Messbarkeit nicht als Grenze, sondern als Orientierung.

Das ermöglicht Kulanzlösungen, die sonst nicht möglich wären, weil die Kalkulation zu hart wäre.

Vergleich: SLA-Modell vs. Kulanz-System

Ein Kunde hat ein dringendes Problem außerhalb der üblichen Zeiten.

Im SLA-Modell frage ich:

  • Ist das abgedeckt?

  • Welche Eskalationsstufe?

  • Welche Kosten?

In meinem Modell frage ich:

  • Wie oft hat dieser Kunde schon „über die Stränge geschlagen“?

  • Wie kulant ist der Kunde auch gegenüber uns?

Das ist ein beidseitiges Bewertungssystem. Es funktioniert, weil beide Seiten verstehen: Geben und Nehmen über Zeit.

Kernpunkt: Flexibilität entsteht nicht durch Vertragsanpassungen, sondern durch Orientierung statt Grenzen – Messbarkeit als Kompass, nicht als Käfig.

Was kostet dieses System? Der Trade-off zwischen Skalierung und Qualität

Die unbequeme Wahrheit: Dieses System skaliert nicht unbegrenzt.

Warum Wachstum SLAs fordert

Wenn Unternehmen wachsen, fordern oft Investoren, Vorstände oder neue Führungsebenen genau diese SLAs ein. Sie wollen:

  • Messbarkeit

  • Kontrolle

  • Absicherung

Meine bevorzugten Kunden sind eher kleiner. Keine Konzerne.

Das ist eine bewusste strategische Entscheidung: Ich opfere Skalierung für Qualität der Beziehung.

Der organische Übergang statt hartem Bruch

Es gibt einen Übergang. Irgendwann ist es ein Trade-off. Das wächst mit der Zeit.

Der Schlüssel: Man spricht regelmäßig und findet potenzielle Reibungspunkte, bevor sie zu Problemen werden.

Kernpunkt: Wertesysteme skalieren begrenzt – der bewusste Trade-off zwischen Größe und Beziehungsqualität ist eine strategische Entscheidung, kein Versagen.

Was bedeutet das für dein Geschäft?

Eine Erhöhung der Kundenbindungsrate um 5% kann zu einer Umsatzsteigerung von 25-95% führen. Bestehende Kunden bieten eine 60-70%ige Chance, einen weiteren Kauf zu tätigen.

Diese Zahlen entstehen nicht durch SLAs. Sie entstehen durch Vertrauen.

Die zwei Wege: Formalisierung vs. Wertesysteme

Wenn du ein mittelständisches Unternehmen führst, hast du eine Wahl:

Weg 1: Formalisierung

  • Beziehungen formalisieren

  • Alles messbar machen

  • Sich absichern

  • Ergebnis: Kurzfristige Sicherheit

Weg 2: Wertesysteme

  • Persönliche Verbindungen schaffen

  • Vertrauen durch Verletzlichkeit ermöglichen

  • Kulanz als beidseitiges System

  • Ergebnis: Langfristige Stabilität

Ich habe mich entschieden. Und meine Kunden auch.

Die Frage ist: Welche Kunden willst du?

FAQ: Häufige Fragen zu Wertesystemen vs. SLAs

Warum funktionieren Wertesysteme besser als SLAs?

Wertesysteme regulieren sich selbst und passen sich an unvorhergesehene Situationen an, ohne neu verhandelt werden zu müssen. SLAs dokumentieren nur messbare Symptome, nicht die eigentlichen Ursachen von Problemen oder die Qualität einer Beziehung. Dadurch sind Wertesysteme flexibler und nachhaltiger.

Wie kann ich ohne SLA verhindern, ausgenutzt zu werden?

Durch ein beidseitiges Bewertungssystem auf Basis von Kulanz. Ich dokumentiere Zeiten und habe einen fiktiven Stundensatz im Hintergrund, nutze diese Messbarkeit aber als Orientierung, nicht als Grenze. Entscheidend ist: Ich entscheide aktiv, was ich zulasse – basierend darauf, wie kulant der Kunde mir gegenüber ist.

Was sind die drei wichtigsten Signale für Wertesystem-Kompatibilität?

Erstens: Das „Du“ als Haltung, nicht als Formalität. Zweitens: Offenheit für Beratung statt Beratungsresistenz. Drittens: Verständnis für klare Domänengrenzen – der Kunde kennt sein Geschäft, ich kenne IT.

Kann ein Wertesystem mit meinem Unternehmen mitwachsen?

Nur begrenzt. Wenn Unternehmen wachsen, fordern oft Investoren oder neue Führungsebenen SLAs ein. Es gibt einen organischen Übergang, aber irgendwann entsteht ein Trade-off zwischen Skalierung und Beziehungsqualität. Der Schlüssel: regelmäßig sprechen und Reibungspunkte früh erkennen.

Was ist der Trust Gap und wie hängt er mit SLAs zusammen?

Der Trust Gap ist die Kluft zwischen dem, was wir denken zu liefern, und dem, was beim Kunden ankommt. 95% der Unternehmen sagen, sie brauchen Vertrauen, aber nur 49% sind sich dessen sicher. SLAs vergrößern diese Kluft, weil sie falsche Sicherheit geben – der Kunde denkt, ein Vertrag schützt ihn, der Anbieter denkt, Zahlen reichen aus.

Wie messe ich Erfolg ohne SLA-Metriken?

Ich dokumentiere Zeiten und habe einen fiktiven Stundensatz, nutze diese Daten aber als Kompass, nicht als Käfig. Erfolg zeigt sich in: beidseitiger Kulanz über Zeit, langfristiger Kundenbindung (5% mehr Bindung = 25-95% mehr Umsatz), Weiterempfehlungen und der Fähigkeit, flexibel auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren.

Was passiert, wenn ein Kunde das Wertesystem nicht versteht?

Dann nehme ich ihn nicht an. Ich filtere aktiv SLA-fixierte Kunden raus, weil der persönliche Bezug mir enorm wichtig ist. Wer Distanz aufbaut, beratungsresistent ist oder Domänengrenzen überschreitet, passt nicht ins System. Das ist eine bewusste strategische Entscheidung.

Gibt es Situationen, wo SLAs doch sinnvoll sind?

Ja – in sehr großen Organisationen, bei Konzernstrukturen oder wenn externe Stakeholder (Investoren, Vorstände) Messbarkeit und formale Absicherung verlangen. SLAs sind nicht grundsätzlich schlecht, sie passen nur nicht zu meinem Geschäftsmodell und meiner Zielgruppe (mittelständische Unternehmen, Solo-Selbständige).

Key Takeaways

  • Wertesysteme schlagen SLAs in Stabilität – weil sie sich selbst regulieren und ohne Neuverhandlung an unvorhergesehene Situationen anpassen

  • SLAs dokumentieren Symptome, keine Ursachen – sie messen Reaktionszeiten und Verfügbarkeit, aber nicht die Qualität des Denkens oder das Engagement

  • Vertrauen entsteht durch beidseitige Verletzlichkeit – Kulanz in beide Richtungen über Zeit schafft ein natürliches Gleichgewicht ohne vertragliche Zwänge

  • Der Trust Gap entsteht durch falsche Sicherheit – 95% der Unternehmen wollen Vertrauen, nur 49% haben es; SLAs vergrößern diese Kluft statt sie zu schließen

  • Messbarkeit als Orientierung, nicht als Grenze – ich dokumentiere Zeiten, nutze sie aber als Kompass für Kulanzentscheidungen, nicht als Käfig

  • Skalierung vs. Qualität ist ein bewusster Trade-off – Wertesysteme skalieren begrenzt; die Entscheidung für kleinere Kunden ist strategisch, kein Versagen

  • 5% mehr Kundenbindung = 25-95% mehr Umsatz – diese Zahlen entstehen durch Vertrauen und persönliche Verbindung, nicht durch SLAs